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Artist Statement
Weiterdenken im Grenzbereich der Fotografie

Ein Hauptthema meiner künstlerischen Arbeit ist die Wahrnehmung von Raum und Bildraum. Mich beschäftigen Fragestellungen der abstrakten und konkret-konstruktiven Kunst.
Meine Arbeit untersucht, wie diese sich mit dem Medium Fotografie umsetzen lassen. Dabei verfolge ich einen erweiterten Bildbegriff und lote die Möglichkeiten im Grenzbereich des Mediums aus. Mein Bestreben nach Abstraktion und einer klaren, prägnanten Bildsprache hat dazu geführt, das fotografische Bild zu beschneiden. Dies entspricht für mich einem Angleichen an das menschliche Sehen: unser Sehvorgang fokussiert und blendet gleichzeitig Unwichtigeres aus.
Bei der Aufnahme architektonischer Details beeinflusse ich das Zueinander der Bildelemente im Sucher durch einen genau gewählten Kamerastandpunkt. Ich komponiere mit Linien, Kanten, Licht- und Schattenflächen, oder verknüpfe durch die Perspektive voneinander entfernt liegende Flächen. Dadurch findet eine erste Transformation des Motivs statt.
Der spätere Beschnitt, bei dem ich ganze Bildpartien entferne, verstärkt und konzentriert die im Bild vorhandenen Bezüge. Unwesentliches wird entfernt, es entsteht eine neue geometrische Umrissform. Außer dieser Neudefinition der Bildkanten nehme ich am Bildinhalt keine Veränderungen vor. Was das Bildobjekt zeigt, war so existent – wenngleich nicht für jede Person sichtbar.
Mit den shaped photographies will ich neue Wahrnehmungsfelder eröffnen.
Mich interessieren die Momente, in denen die Eindeutigkeit und damit die Sicherheit kippen, in denen das Bewusstsein des Betrachtenden darüber ins Schwanken gerät, was oben, unten, vorn oder hinten ist und in denen die Lesbarkeit des Motivs changiert. Die anfängliche Irritation fordert zum Innehalten, bewussten Betrachten und Hinterfragen heraus.

Neben diesen kamerabasierten Arbeiten erforschen auch die Fotogramme und ortsspezifischen Installationen mit unterschiedlichen Mitteln Phänomene der Wahrnehmung und Darstellungsmöglichkeiten im Raum.

Parallel zu den shaped photographies entstehen auch Bildobjekte, die noch stärker in den Raum gehen: durch das Zusammenfügen zweier Motive mit Abstand zueinander oder durch die Kombination eines fotografischen Elements mit einer monochromen weissen Fläche. Diese Bildraumobjekte lösen die Grenze zwischen flächiger Fotokunst und dreidimensionaler Skulptur weiter auf.

exhibition view 'Warum Kunst?', Museum Ulm, 2018, zwei shaped photographies: rhythm_ 01, 2017 und Bildkörper_03, 2015

exhibition view ‚Warum Kunst?‘, Museum Ulm, 2018

zusammen_01, 2019, Farbfotografie und Fläche aus weissem Aludibond, 85 x 73 x 3 cm

form_03, 2018, Farbfotografie auf Aludibond, 110 x 136 cm