Arbeiten

Artist Statement

Weiterdenken im Grenzbereich der Fotografie
Ich fotografiere, weil die Fotografie es mir erlaubt, meinen Blick aufzuzeichnen, ihn zum Bild werden zu lassen und für andere sichtbar zu machen. Mich beschäftigen Fragestellungen aus der abstrakten Kunst, der Wahrnehmung und der Begriff des Raumes. Daher ist Architektur ein wichtiger Ausgangspunkt für meine Arbeit.
Bei der Aufnahme architektonischer Details beeinflusse und komponiere ich das Zueinander der Bildelemente im Sucher durch einen genau gewählten Kamerastandpunkt. Auch die Belichtung ist entscheidend. Der spätere Beschnitt, bei dem ich ganze Bildpartien entferne, verstärkt und konzentriert die im Bild vorhandenen Bezüge. Unwesentliches wird entfernt, es entsteht eine neue geometrische Umrissform. Ausser dieser Neudefinition der Bildkanten werden von mir am Bildinhalt keine Veränderungen vorgenommen. Mein Arbeitsprozess überträgt bildnerische Vorgehensweisen auf die Fotografie.
Das fotografische Bild hat sich von seiner Abbildfunktion entfernt und wird zu einem Wahrnehmungsfeld für den Betrachter.

Faltung_01, 2018            BIldkörper_06, 2016/18          


PROJEKTE

SICHTBARES UND GESEHENES
Esther Hagenmaiers Projekt zu den Sakralbauten Walter Maria Förderers

Die Werkgruppe Extractions ist aus der Auseinandersetzung Hagenmaiers mit der Heiligkreuzkirche in Chur nach Plänen von Walter Maria Förderer (1928-2006) entstanden. Für den Schweizer Architekten war das Raumerleben stets ein zentrales Anliegen. Förderers Kirchenzentren haben einen stark skulpturalen Charakter, er war ein Grenzgänger zwischen Architektur und Bildhauerei.
Nachhaltig fasziniert von dieser extremen architektonischen Position, dem Eigenwilligen der Bauten und auch der Konsequenz im Denken von Raum, entstand bei Esther Hagenmaier der Wunsch, sich gründlicher mit dem Werk des Architekten zu befassen.
Während einem Artist-in-Residence-Aufenthalt in der Schweiz 2017 konnte sie weitere Bauten Förderers erkunden und umfassendes Fotomaterial sammeln. Aus diesen Motiven sind zahlreiche Entwürfe in Bearbeitung, bereits realisierte neue shaped photographies sind unter anderem rhythm 01-03 und form 01 und 02. Die Fotoarbeiten, die sich zwischen Fotografie und skulpturalem Wandobjekt bewegen, laden ein, sich in einen Prozess des Wahrnehmens,
Hinterfragens und Entdeckens zu begeben.
Die Beschäftigung mit dem Werk dieses Architekten-Bildhauers soll fortgesetzt werden. Ausstellungsprojekte sind in Entwicklung. So ist die Künstlerin im Mai 2017 eingeladen, in dem von Förderer erbauten Katholischen Kirchenzentrum St. Johannes in Luzern-Würzenbach (CH) eine Auswahl der Werke direkt im Kirchenraum aus Sichtbeton zu präsentieren.

form_01, 2018

Aus Förderers Sichtbetonbauten spricht für mich eine große Ernsthaftigkeit und Konsequenz im Denken und Gestalten von Raum, ein sehr starker Formgebungswille, verbunden mit dem Anspruch, mit Architektur Identität zu stiften. Förderer prägte den Begriff des ‚Gebildes hoher Zwecklosigkeit‘ und meinte damit sein architektonisches Ideal. Das Subjektive, das Individualität erzeugt, war von ihn von Bedeutung. Dies ist in seinen Bauwerken spürbar.                                                          Esther Hagenmaier

Detail: St. Klemenz, Bettlach, Kanton Solothurn

‚Vielleicht ist mein Bauen zwischen die Gattungen Architektur und Skulptur geraten (…) eine Verirrung? Ich glaube nicht, denn sonst müsste klar sein, wie, wofür und wohin heutige Architektur zu wirken hätte. Solches lässt sich vielleicht fürs blosse Bauen behaupten – nicht aber für Architektur.‘
Walter Maria Förderer, 1975

‚Förderers Kirchenbauten stehen wie Monolithe in der Architekturlandschaft.
Gemeinsam ist den meisten Werken die Ausführung in Sichtbeton, der polygonale
Grundriss und die komplizierte, verschachtelte Volumetrik.‘
Architektenlexikon der Schweiz, 19./20. Jh, Birkhäuser, 1998

St. Nicolas, Hérémence, Valais